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Gesetzliche Grundlagen

Begriff der Barrierefreiheit in der IT

Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen sowie Kommunikationseinrichtungen sind barrierefrei, wenn sie für behinderte Menschen, in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.

UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK)

Das "Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen" (Convention on the Rights of Persons with Disabilities - CRPD) das von der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen wurde trat am 3. Mai 2008 in Kraft. In Artikel 21 wird das Recht von behinderten Menschen sich Informationen und Gedankengut frei zu beschaffen, zu empfangen und weiterzugeben behandelt. In Artikel 9 Absatz 1 verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten, geeignete Maßnahmen zu treffen, um für Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt mit anderen den Zugang zu Information und Kommunikation, einschließlich Informations- und Kommunikationstechnologien und -systemen, sowie zu anderen Einrichtungen und Diensten, die der Öffentlichkeit in städtischen und ländlichen Gebieten offen stehen oder für sie bereit gestellt werden, zu gewährleisten.

Die Umsetzung dieser Vorgaben in nationales Recht wird durch Erweiterungen im Behindertengleichstellungsgesetz weitgehend übernommen.

Behindertengleichstellungsgetz (BGG)

Das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) aus dem Jahr 2002 ist unter der Vorgabe der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) angepasst worden. Am 27. Juli 2016 sind Änderungen in Kraft getreten, welche die Barrierefreiheit in der öffentlichen Verwaltung des Bundes weiter verbessert haben.

Mit den Verbesserungen der Barrierefreiheit innerhalb der Bundesverwaltung im Bereich Informationstechnik sind die Vorgaben der UN-BRK in nationales Recht weiter angepasst worden.

Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV)

Für die Behörden des Bundes und der Länder, soweit sie Bundesrecht ausführen, wurde die barrierefreie Gestaltung in der Kommunikationshilfenverordnung, der Verordnung über barrierefreie Dokumente in der Bundesverwaltung und der Barrierefreien Informationstechnik-Verordnung (BITV) konkretisiert. Die BITV ist dabei eine Verordnung, welche aufgrund §12 BGG erlassen wurde. Basis und Grundlage der BITV sind die international anerkannten Richtlinien der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG).

Web Content Accessibility Guidelines (WCAG)

Die WCAG 2.0 sind eine W3C-Empfehlung mit Richtlinien zur barrierefreien Erstellung von Web-Inhalten. Diese Richtlinien wurden zwischenzeitlich auch um Prüfkriterien für Nicht-Webinhalte erweitert und sind somit weitgehend auch auf Nicht-Web-Anwendungen anwendbar. Die WCAG unterscheidet - wie auch die BITV zwischen Konformitätsstufen. Die BITV hat dabei die Stufen A und AA der WCAG als Muss-Kritrien (Priorität I) in der Verordnung definiert. Eine Anwendung ist demnach Barrierefrei, wenn alle Erfolgskriterien der WCAG mit der Konformitätsstufe A und AA bzw. der BITV mit Priorität 1 erfüllt sind.

Nachweis der Barrierefreiheit

Eine Überprüfung auf Barrierefreiheit lässt sich nicht so einfach nur über die Erfolgskriterien der WCAG, BITV, ISO- und EN-Normen bestimmen. Es sind darüber hinaus unterschiedlichste Erfahrungen und Kenntnisse aus den Bereichen Behinderungseinschränkungen, Assistive Hilfsmittel, Software-Entwicklung etc. erforderlich, um eine zuverlässige Aussage bezüglich der Barrierefreiheit einer Anwendung vorzunehmen.

Dabei ist es Wichtig zu verstehen, dass reine White-Box-Tests (Überprüfung des Quelltextes) nicht ausreichend sind. Ein Test muss praxisnah mit Einsatz assistiver Hilfsmittel (Screenreader, Vergrößerungssoftware, Braillezeile etc.) durchgeführt werden. Nur dadurch wird gewährleistet, dass eine Software auch im Wirkbetrieb von Menschen mit Behinderungen genutzt werden kann. Es ist nicht praxisnah und auch nicht hilfreich, wenn die Bewertung einer Anwendung mit einer Prozentangabe erfolgt, da ein solcher Wert nicht den wirklichen Zustand bzw. die Zugänglichkeit einer Anwendung für jede Behinderungsgruppe widerspiegelt.